
SAP startet in die Ära des autonomen Unternehmens
SAP richtet sich neu aus und hat auf seiner Hausmesse Sapphire die Vision des „Autonomous Enterprise“ vorgestellt. Ziel ist, dass KI-gestützte Assistenzen Geschäftsprozesse eigenständig steuern und Mitarbeitende entlasten. Grundlage dafür ist die neue „Business-AI-Plattform“, die die bisherigen SAP-Technologien für Daten, Analyse und Anwendungen zusammenführt.
Im Zentrum steht ein Wissensnetz, das Daten, Prozesse und Beziehungen innerhalb der SAP-Systeme abbildet. Dadurch verstehen die neuen Joule-Assistenten die Zusammenhänge zwischen Geschäftsabläufen und können Entscheidungen vorbereiten oder Prozesse selbst ausführen. Über die Arbeitsumgebung „Joule Work“ lassen sich Aufgaben künftig in natürlicher Sprache anstoßen – vom Erstellen von Berichten bis zur Steuerung von Lieferketten.
Für die Entwicklung individueller Assistenten bietet SAP das „Joule Studio“. Dort können eigene Agenten erstellt werden, die über Standardschnittstellen auch auf externe Anwendungen zugreifen. Technologien von Partnern wie Anthropic, Nvidia und AWS sorgen für sichere Laufzeiten, reibungslose Datenintegration und flexible Skalierbarkeit.
Mit den neuen Lösungen will SAP Kunden den Übergang von regelbasierter Automatisierung zu kontextbasierten, lernfähigen Prozessen ermöglichen. Insgesamt sollen mehr als 50 spezialisierte Assistenten einsatzbereit sein – etwa für Finanzen, Personal oder Einkauf.
Für mittelständische Betriebe kann dieses Konzept bedeuten, dass manuelle Freigaben, Datenabgleiche oder Prognosen zunehmend von der KI übernommen werden, während menschliche Entscheidungen sich auf Ausnahmen und strategische Fragen konzentrieren.
SAP investiert in Automatisierung – n8n wird Milliarden-Startup
SAP baut sein Ökosystem weiter aus und beteiligt sich am Berliner Automatisierungsunternehmen n8n sowie am Kundenservice-Spezialisten Parloa. Durch das Investment steigt n8n laut Unternehmensangaben auf eine Bewertung von über 5 Milliarden US-Dollar und gehört damit zu den wertvollsten deutschen KI-Startups.
Mit seiner grafischen Low-Code-Plattform ermöglicht n8n Unternehmen, eigene Automatisierungen per Drag-and-Drop zu erstellen und KI-Agenten in bestehende Abläufe einzubinden. Künftig soll n8n direkt in SAPs Entwicklungsumgebung Joule Studio integriert werden. Unternehmen können dadurch interne wie externe Prozesse automatisieren, ohne selbst zu programmieren.
Parloa ergänzt das Portfolio mit KI-Agenten für den Kundenservice. Die intelligente Plattform kann digital oder telefonisch Anfragen verstehen, verarbeiten und mit echten Unternehmensdaten aus dem SAP-System beantworten. So soll sie Kundenbetreuung rund um die Uhr ermöglichen und Support-Teams entlasten.
Mit den Beteiligungen unterstreicht SAP, dass die neue „Autonomous Suite“ nicht nur aus eigenen Komponenten bestehen soll. Vielmehr öffnet sich der Konzern für Partner, die Automatisierung, Sprache und Prozesslogik intelligent verknüpfen. Gleichzeitig stärkt SAP mit diesen Investments die Position Europas im internationalen KI-Markt, der bislang stark von US-Anbietern dominiert wird.
KI-Agenten mit No-Code: Wie Unternehmen Prozesse selbst automatisieren können
Viele Unternehmen suchen nach Wegen, alltägliche Abläufe zu vereinfachen – oft fehlen Zeit, Personal oder Entwicklerressourcen. No-Code-Plattformen wie Make.com und n8n öffnen nun auch mittelständischen Betrieben den Zugang zu KI-basierter Prozessautomatisierung. In einem Praxisworkshop zeigt die heise academy, wie Unternehmen damit starten können.
Die beiden Plattformen ermöglichen es, Abläufe grafisch zusammenzusetzen: Daten aus E-Mails, CRM-Systemen oder Datenbanken werden verknüpft, anschließend übernehmen spezialisierte KI-Agenten einzelne Aufgaben. Diese Agenten lassen sich modular anlegen – etwa für Angebotsprüfung, Datenanalyse oder Marketingkampagnen.
So entstehen automatisierte Prozessketten, die Routinearbeiten reduzieren und Informationen zwischen Systemen synchron halten. Der Clou: Die Teilprozesse bleiben verständlich und können ohne tiefes IT-Wissen angepasst werden. Das senkt Einstiegshürden und erlaubt Fachabteilungen, schnell eigene Prototypen umzusetzen.
Trainer und Berater Thorsten Vellmerk betont, dass besonders kleine und mittlere Unternehmen von dieser Vorgehensweise profitieren. Sie sparen nicht nur Zeit, sondern gewinnen Transparenz und Kontrolle über ihre Datenflüsse. Der Workshop macht deutlich, dass Automatisierung längst kein Spezialthema der IT-Abteilung mehr ist, sondern Teil der täglichen Unternehmenspraxis werden kann.